30 Jahre n@work – Die ersten Internetserver

Bereits nach einem guten Jahr platzten wir aus unseren ersten Räumen in der Spaldingstraße heraus. Wir mieteten größere Flächen im 7. Stock desselben Gebäudes an – und richteten dort unseren allerersten „Serverraum“ ein.

Richtig war der allerdings noch lange nicht. Es handelte sich eigentlich um eine ehemalige Herrentoilette. Die sanitären Anlagen waren rausgerissen, aber ansonsten war es noch ziemlich roh: keine Klimatisierung, keine richtige Belüftung, nur ein paar Regale, jede Menge Kabel und viel Hoffnung. Die Server liefen einfach so vor sich hin, und wir schauten regelmäßig nach, ob sie nicht zu heiß wurden.

Trotzdem fühlte es sich wie ein großer Schritt an. Die Maschinen standen nicht mehr zwischen den Schreibtischen, sondern hatten einen eigenen (wenn auch sehr improvisierten) Bereich und waren über unsere erste echte Standleitung direkt mit dem Internet verbunden.

In den späten 90ern spielten kommerzielle Unix-Systeme noch eine große Rolle, weil sie deutlich stabiler und leistungsfähiger waren als Linux zu dieser Zeit. Unser erster eigener Webserver lief deshalb auf Solaris 2.5 für Intel-Prozessoren.

Bereits 1997 kam der große Sprung: Ein Bekannter aus dem Chaos Computer Club vermittelte uns den Kontakt zu Art+Com in Berlin. Die waren gerade dabei, einen Serverraum aufzulösen – und wir durften einige ihrer SGI-Server übernehmen.

Besonders eine Maschine wurde zur Legende: eine SGI 4D/440. Das war damals unser zentraler Internet-Server. Er lief als DNS-Server, Webserver und Cache-Server in einem. Technisch war das Gerät für die damalige Zeit richtig stark ausgestattet: vier Prozessoren mit je 1 MB Cache, 256 MB RAM und eine 100 Mbit FDDI-Netzwerkkarte. Mit dieser Karte starteten wir unseren ersten FDDI-Ring – ein echtes High-Speed-Backbone für die damaligen Verhältnisse.

Die Maschine kam ohne Grafikkarte, aber das Chassis trug noch die Farbcodierung und Beschriftung einer ehemaligen Reality Engine. Erst viele Jahre später, als wir die Netflix-Miniserie „The Billion Dollar Code“ sahen, wurde uns richtig bewusst, wo diese Server eigentlich herkamen. Art+Com hatte mit TerraVision am Vorläufer von Google Earth
gearbeitet. Es ist durchaus möglich, dass Teile dieser bahnbrechenden Software genau auf unserer 4D/440 entwickelt oder getestet wurden.

Das war eine besondere Zeit. Wir bastelten mit gebrauchter High-End-Technik aus Berlin, bauten alles selbst aus und lernten jeden Tag dazu – mit viel Enthusiasmus und wenig Budget.

Erst 1999 bauten wir dann unseren ersten richtigen Serverraum selbst aus – mit Klimatisierung und den ersten größeren USV-Anlagen. Das war echte Handarbeit: Wände streichen, Böden verlegen, Strom und Kühlung installieren. Danach zogen wir alle Server um. Das war ein echter Meilenstein.

Im nächsten Teil erzählen wir, wie wir mit analogen Modems, ISDN und später den ersten DSL-Leitungen unsere Kunden angebunden haben und welche verrückten Herausforderungen das mit sich brachte.