30 Jahre n@work – Wie alles begann

Vor 30 Jahren, im Februar 1996, standen wir zu fünft vor einem Notar in Hamburg und gründeten die n@work Internet Informationssysteme GmbH. Rückblickend fühlt sich das an wie gestern – und gleichzeitig wie aus einer völlig anderen Welt.

Alles begann mit einem Studentenjob am Rechenzentrum der Universität
Hamburg. Dort lernten sich drei von uns kennen: Zwei hatten gerade den
ersten Webserver der Uni aufgebaut und betreut, der Dritte brachte bereits langjährige Erfahrung mit frühen E-Mail- und Netnews-Servern über UUCP mit.
Als das Internet 1995 auch in Deutschland richtig Fahrt aufnahm, war die Entscheidung schnell getroffen: Wir wollten nicht nur zuschauen, sondern mitmachen.

Wir holten zwei weitere erfahrene Mitstreiter als passive Gesellschafter dazu, mieteten ein kleines Büro in der Spaldingstraße an und legten los. Unsere erste Anbindung ans Internet war eine 64-kbit-ISDN-Leitung. Kurz darauf stand unser erster eigener Server im ECRC-Rechenzentrum in München – darauf lief unter anderem die Website von Acer Computer.

Schon ganz früh spielten Rechner von Silicon Graphics (SGI) eine zentrale Rolle bei uns – vor allem auf der technischen und
serverseitigen Seite. Wir starteten mit den klassischen Personal Iris und Indigo Workstations – echte Ikonen der damaligen Zeit, bekannt für ihre beeindruckende Grafik-Power und das legendäre IRIX-Betriebssystem. Diese Maschinen gaben uns von Beginn an einen echten Vorsprung bei anspruchsvollen Web-Projekten und performanten Unix-Anwendungen.

Das erste Büro war herrlich improvisiert. Wir richteten es mit schicken, gebrauchten Möbeln aus einer Büroauflösung eines Versicherungsmaklers ein. Von dieser Einrichtung ist nach 30 Jahren fast nichts mehr übrig – außer einer einzigen Büropflanze. Die steht heute noch immer in der Versmannstraße und hat sämtliche Umzüge unbeschadet überstanden.

Technisch war die Anfangszeit ein buntes Chaos: SGI- und Sun-Workstations neben Apple-Rechnern, Windows 95 und ersten Linux-Systemen. Alles war über dicke Ethernet-Koaxialkabel verbunden. Unser erster Router war ein KA9Q, den wir bald durch Cisco 2500er ersetzten. Gemeinsame Datenserver zwischen diesen unterschiedlichen Welten zu betreiben, war eine echte Herausforderung – IP war noch längst nicht überall Standard.

Weil gutes Webdesign in den Anfangsjahren der wichtigste Umsatzbringer war, holten wir schon im ersten Jahr unsere erste Mitarbeiterin ins Team: eine professionelle Grafikerin. Das war ein wichtiger Schritt.

Es waren wilde, intensive und unglaublich inspirierende Jahre. Das Internet veränderte sich praktisch monatlich, und wir veränderten uns mit. Es gab keine fertigen Lösungen, keine Handbücher, kein „das machen wir schon immer so“. Stattdessen Pioniergeist, Experimentierfreude und das Gefühl, wirklich etwas Neues mit aufzubauen.

Heute, 30 Jahre später, ist vieles anders. Der raue Aufbruchgeist von damals ist einem deutlich professionelleren, strukturierteren Arbeitsalltag gewichen. Die Technologie hat sich radikal weiterentwickelt, die Ansprüche sind gestiegen und die Prozesse sind
ausgereift. Das ist gut und notwendig – aber es fühlt sich doch sehr anders an als in jenen ersten Jahren.

Genau deshalb starten wir mit dieser Serie: Wir wollen die Geschichte von n@work erzählen, von den Anfängen bis heute. Ohne Schönfärberei, aber mit ehrlichem Blick auf das, was war – und was daraus geworden ist.

Im nächsten Teil geht es um die ersten richtig großen Silicon Graphics Server – wie n@work an diese High-End-Maschinen gekommen ist und welche Rolle sie für unser frühes Wachstum gespielt haben.