In den 90er Jahren war das Internet für die meisten Menschen noch eine Sache mit Einwahl. Wer online wollte, wählte sich über Modem oder ISDN ein.
Wir bei n@work haben jedoch schon sehr früh Geschäftskunden mit echten Standleitungen versorgt – das war damals noch etwas Besonderes.
Zuerst nutzten wir analoge Standleitungen der Deutschen Telekom. Diese liefen meist mit 33,6 kbps Modems. Wenn die Leitung gut genug war, setzten wir frühe DSL-Modems ein, die 64 oder 128 kbps schafften. Manchmal kombinierten wir die Standleitung noch mit zusätzlichen Wählverbindungen, um bei Bedarf mehr Bandbreite zu bekommen.
ISDN-Standleitungen waren eine Alternative, aber richtig teuer. Günstiger und bei uns sehr beliebt waren die sogenannten semipermanenten Verbindungen (SPV) auf dem alten 1TR6-Standard. Das war im Grunde eine Wählverbindung, für die man einen monatlichen Festpreis zahlte und sich beliebig oft zu einer festen Gegenstelle einwählen konnte. In der Praxis lief das dann meist als dauerhafte Verbindung – so sehr, dass die Telekom das Angebot in den 2000er Jahren wieder einstellte.
Mit der Einführung von Service-Rufnummern gab es eine weitere Möglichkeit: Kunden konnten sich über unsere 0192er Service-Nummer einwählen, und wir rechneten die Minuten ab. n@work betrieb selbst eine solche Nummer. Später versuchten einige Anbieter, daraus echte Flatrates zum Festpreis zu machen. Das funktionierte allerdings selten – die Leitungen wurden fast immer als Standleitung missbraucht, und kostendeckend war das bei den damaligen Preisen kaum möglich.
Durch Zufall siedelte sich im selben Bürogebäude in der Spaldingstraße der Anbieter Internet-Professionell an. Wir belieferten sie mit Internet-Upstream und Einwahl-Hardware. Sie starteten zwei Anläufe mit einem Flatrate-Dienst – beide Versuche scheiterten nach einiger Zeit. Für Internet-Professionell endete es mit Insolvenz und offenen Rechnungen. Für uns war das Ganze trotz allem am Ende ein gutes Geschäft.
Ab ca. 2000/2001 kamen dann die ersten ernsthaften SDSL-Anbieter auf den Markt. Damit konnten wir Verbindungen von 144 kbit bis 2 Mbit einkaufen. Die Technik dahinter war ATM – ein eigenes Universum. Als Provider hatte man ein großes ATM-Interface und schaltete darauf virtuelle Verbindungen zu den Endkunden. Für uns war das der Beginn der ATM-Ära. 2001 starteten wir eine enge Zusammenarbeit mit Atlantic Telekom, die allerdings wenige Jahre später insolvent wurde. Danach folgten QSC, Highway One, Celox und weitere Anbieter. SDSL wurde für Bandbreiten bis 2 Mbit zum Standard.
Erstaunlich lange hielt sich diese Technologie: Die letzten ATM-Switches bei n@work wurden erst 2014 abgeschaltet. Die eigentlichen Kundenverbindungen hatten wir allerdings schon deutlich früher auf L2TP (PPP over IP) umgestellt – ein deutlich moderneres und flexibleres Verfahren.
Es war eine wilde, experimentierfreudige Zeit voller technischer Bastelarbeit, neuer Tarifmodelle und immer wieder neuer Risiken.
Im nächsten Teil sprechen wir über die große Krise, die nach dem Dotcom-Crash und den Anschlägen vom 11. September 2001 auch bei n@work voll einschlug.